Früher waren sie die reinste Science-Fiction und heute existieren sie in Massen, doch niemand nimmt sie so richtig wahr. Die Rede ist von virtuellen Assistenten.

Ich erinnere mich als wäre es erst letzte Woche gewesen: Im Oktober 2011 stellte Apple erstmals die liebreizende Assistentin *Siri* vor. Es stellte alles in den Schatten, was ich im Bezug auf Sprachsteuerung bis dahin kannte – jedenfalls im Consumer Market. Siri war nicht nur eine „Tippse“ sondern verstand den Kontext des gesagten und das begeisterte die Massen.
Die Konkurrenz ließ nicht lange auf sich warten und inzwischen steckt gefühlt in allem was wir kaufen können, Irgendetwas das mitdenkt und bestenfalls auch mit uns spricht.

Aber so richtig will das Thema nicht in fahrt kommen, dabei können diese kleinen digitalen Helferlein unseren Alltag um einiges erleichtern.

Darum zünden Assistenten nicht

In so gut wie jedem Smartphone steckt inzwischen ein virtueller Assistent und wer einen halbwegs aktuellen Computer bzw. ein halbwegs aktuelles Betriebssystem besitzt, der findet auch hier Sprachassistenten welche dir die Arbeit leichter machen möchten.

Und doch benutzen wir sie nicht. Das hat, in meinen Augen, drei entscheidende Gründe:

1. Die Assistenten sind noch zu dumm!
Ja, sie können viel, aber eben nicht das, was wir brauchen und das ist *Selbstständigkeit*. Erst wenn die Assistenten so wirklich Pro-Aktiv werden machen sie Sinn.

2. Sie kosten Zeit!
Denk mal darüber nach: In einem Büro haben Top-Manager immer Assistentinnen. Sie sind dafür da, Arbeit abzunehmen und das ohne echtes Zutun des Chefs. Aber wie ist es mit virtuellen Assistenten? Wir holen unser Smartphone aus der Tasche, aktivieren den Assistenten, sagen ihm, dass wir gerne wissen möchten, wie das Wetter morgen wird und erhalten kurz darauf eine Antwort. Das spart keine Zeit, denn ich könnte auch anstatt den Assistenten zu starten einfach zur Seite wischen und mir das Wetter anschauen. Assistenten müssen Zeit sparen und nicht nur „einen anderen Weg“ darstellen, Dinge erledigt zu bekommen.

3. Sie behindern uns!
Irgendwie ist Punkt 3. auch an Punkt 2. geknüpft, denn „Behinderung“ ist auch eine Art der Zeitaufwendung. Aber was meine ich damit? Beispiel: Ich surfe mit meinem iPhone durch das Netz um Berichte über die G20-Gipfel Demonstration zu erhalten. Plötzlich interessieren mich Bilder dazu. Ich könnte jetzt zwar danach Googlen, doch wozu habe ich Siri? Also, Siri aktiviert und gefragt, ob sie nach Bildern vom Tag des G20-Gipfels suchen kann. Während dieser Zeit kann ich nicht weiterlesen und werde hier blockiert. Siri arbeitet mir hier nicht zu, sie behindert mich in meinem Tun – und das ist genau dass Gegenteil von der Bedeutung einer Assistenz.

Zugegeben, Punkt 3. lässt sich auf einem Computer so nicht darstellen und dürfte hier nur für Smartphones gelten. Aber nichts desto trotz sind es in meinen Augen diese drei Punkte, welche dafür sorgen, dass wir noch viel zu wenig mit unseren elektronischen Geräten sprechen und sie für uns arbeiten zu lassen.

Inkompatibilitäten verhindern Ausweitung

Da geht es nicht nur unseren digitalen Freunden so, das Thema taucht ja häufiger in allerlei Gebieten auf. Die Rede ist von Inkompatibilität. Jeder kocht so eine eigene Suppe und untereinander funktionieren die elektronischen Helfer nicht. Wünschenswert wäre hier eine Allianz der Big Player alá Apple, Microsoft, Google und Amazon. Aber dann gäbe es auch keinen Wettkampf mehr.

Das Problem ist der goldene Käfig in denen wir uns nicht immer sperren lassen wollen. Ich zum Beispiel habe einen iMac, ein MacBook, ein iPad, ein iPhone und eine Apple Watch – auf all diesen Geräten ist Siri vertreten. Im Wohnzimmer „lebt“ Siri ebenfalls in Form eines Apple TVs. Doch im Schlafzimmer kommt ein FireTV Stick zu Einsatz und schon muss ich mit diesem Fernseher anders sprechen, denn aus Siri ist plötzlich Alexa geworden.
Auch im Bad hat Siri nichts zu suchen, denn dies ist in Form eines Amazon Echos ebenfalls „Alexa Gebiet“.

In meinem Zuhause findet sich auch noch ein Android Tablet mit dem Google Assistant und auch ein Kindle Fire, wo auch wieder Alexa auf arbeitet wartet. Auf meinem Gaming Rechner ist Windows 10 installiert – Hier steht mir Cortana mit Rat und Tat zur Seite. Es wäre doch sooo viel einfacher, wenn alle Geräte den selben Assistenten hätten. Und wer weiß was die Zukunft noch so bringt? Vielleicht habe ich irgendwann noch einen Kühlschrank mit Bixby oder einen Smart Mirror mit einem gänzlich anderen Sprachassistenten.

Fazit

Die virtuellen Assistenten werden immer schlauer und können immer mehr Fragen beantworten, doch selbstständiger macht sie das noch lange nicht. Auch die Fragmentierung, weil jede Firma eigene Wege geht, steht dem großen Durchbruch noch im Wege. Machen wir uns nichts vor: Hier wird sich so schnell auch nichts ändern.

So lange die Assistenten sich selbst im Weg stehen, stehen sie auch uns im Weg. Ich hoffe, dass die Schöpfer-Firmen dies auch schon wahrgenommen haben und an Lösungen arbeiten, denn eigentlich bin ich ganz heiß auf eine Welt in welcher Elektronik denken und reagieren kann – Solange sie nicht plant uns alle auszulöschen. 😉